Dorfklub unterstützt Kinderwohngruppe Gräfenhain

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Annett Kschieschan (Sächsische Zeitung)

Dorfklub unterstützt Kinderwohngruppe (Artikel der Sächsischen Zeitung Ausgabe Kamenz vom 8.10.13)

Die Einrichtung der Bürgerhilfe in Gräfenhain ist gut im Ort integriert. Das bewies jetzt eine große Überraschung.

Von Annett Kschieschan

Für Stadtkinder ist Gräfenhain Kontrastprogramm. Hier gibt es Ruhe statt Lärm. Kleine Wege statt großer Straßen. Wald und Wiesen statt Wohnblöcken und Einkaufsmärkten. Die Kinder und Jugendlichen, die ins Haus „Eva Maria“ am Sportplatz kommen, brauchen genau dieses Kontrastprogramm. Aus verschiedenen Gründen können sie nicht mehr bei ihren Familien leben. Über das Jugendamt führt ihr Weg dann nach Gräfenhain, in die Wohngruppe der Bürgerhilfe Sachsen. Schon seit 1996 gibt es die Einrichtung in dem Königsbrücker Ortsteil. Und was so nicht in jedem kleinen Dorf funktionieren würde, klappt in Gräfenhain gut. Das Kinderheim ist ins dörfliche Leben integriert.

Beim Aufräumen geholfen

Das zeigte zuletzt eine große Überraschung. Der Gräfenhainer Dorfklub und der Ortschaftsrat übergaben der Bürgerhilfe einen Scheck über 200Euro. Das kam nicht von ungefähr. „Die Spende ist ein kleines Dankeschön. Als wir im August unser Dorffest gefeiert haben, haben Kinder aus der Wohngruppe beim Aufbauen und Aufräumen fleißig mitgeholfen“, erzählt Wolfgang Wächter, Ortsvorsteher in Gräfenhain. Er und seine Mitstreiter vom Dorfklub wissen, dass das nicht unbedingt selbstverständlich ist. Das Geld soll nun den jungen Bewohnern des Hauses zugute kommen. Kerstin Schute, die Leiterin der Einrichtung, freut sich sehr darüber. „Wir versuchen, uns immer mit einzubringen im Ort, sei es bei Veranstaltungen oder ganz allgemein“, sagt sie. Es sei natürlich sehr schön zu sehen, dass das anerkannt wird. Ganz genau steht noch nicht fest, was mit dem unerwarteten Geldsegen passieren soll. „Ich denke, die Spende wird in unseren Beachvolleyballplatz fließen“, sagt Kerstin Schute. Früher hatte es neben dem Wohnbereich einen Spielplatz gegeben. Weil der ohnehin zu klein für die Bewohner war, wurden die Spielgeräte abgebaut. Brach liegen lassen wollte man die Fläche aber nicht. „So entstand die Idee, hier ein eigenes Beachvolleyballfeld einzurichten“, erzählt die Leiterin. Im nächsten Jahr soll es losgehen. Die Spende des Dorfklubs wird helfen, den Plan umzusetzen. Das Spielfeld passt gut ins Konzept des Wohnheims. Die Pädagogen arbeiten hier nach einem sporttherapeutischen Konzept. Bewegung spielt im Leben der jungen Bewohner eine dementsprechend große Rolle. „Wir sind ganz oft draußen – auf den Walkingstrecken zum Beispiel“, erzählt Kerstin Schute. Die Region um Gräfenhain sei dafür ideal geeignet. Der Vorteil: Die Kinder und Jugendlichen können sich beim Sport austoben, durchatmen und sich gleichsam kleine Erfolge erarbeiten. All das hilft auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Manche Kinder bleiben bis zur Volljährigkeit in Gräfenhain. Um die Großen langsam an das Leben allein zu gewöhnen, gibt es zusätzlich zu den zehn Wohngruppenplätzen zwei fürs „Außenwohnen“. Das bedeutet, dass die jungen Erwachsenen zwar allein leben, aber regelmäßig von Betreuern der Bürgerhilfe besucht werden. Solange, bis sie fit genug sind, ihren Alltag allein zu meistern.

Bewegung als Therapieansatz

Fünf Mitarbeiter hat das Haus in Gräfenhain. Die Kinder und Jugendlichen, die hier betreut werden, sind zwischen elf und 17 Jahren alt. Bei manchen der Mädchen und Jungen klappt die Rückführung zur Familie. Mindestens zwei Jahre verbringen sie dennoch in der Wohngruppe. Die therapeutische Arbeit setzt auf Langfristigkeit. Die dörfliche Ruhe in Gräfenhain hilft dabei. Das Miteinander im Ort ebenso. Das Dorffest im Sommer war das beste Beispiel dafür. Ein Kontrastprogramm im besten Sinne eben.