Polly und das verflixte "DU"

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Hallo liebe Homepageleser, wieder zurück in Dresden habe ich gleich einen Schnüffelrundgang durch alle Bürgerhilfeeinrichtungen gestartet, um zu schauen, was sich so alles im letzten halben Jahr verändert hat.

Am Eingang einer Einrichtung entdeckte ich eine junge Frau, welche ganz intensiv mit Telefonieren beschäftigt war. Eigentlich lauscht man ja nicht, aber es ist einfach so passiert…

„Es tat mir so gut, dass ich von Kindern und Mitarbeitern mit „Sie“ angesprochen wurde." Da waren meine Grübelzellen ganz schnell aktiv. Wie ist denn das mit dem „Du“ und dem „Sie“ in der Bürgerhilfe, so unter Mitarbeitern, zwischen Kindern und Mitarbeitern zwischen Eltern oder erwachsenen Klienten und Mitarbeitern?

Ich dachte, dass das eigentlich klar ist:

Ein „Du“ zeigt Nähe und enge Beziehung zum Gegenüber, ein „Sie“ zeugt von Respekt, Achtung und Distanz.

Aber so eindeutig scheint das wohl doch nicht zu sein. Wissen wir wirklich, ob der Mensch uns gegenüber Nähe und Beziehung möchte, wird er manchmal nicht mit einem „Du“ überrumpelt? Wie wohl fühlen sich junge Mütter, wenn man diese mit „Sie“ anredet, haben sie da nicht das positive Gefühl, endlich ernst genommen zu werden?  In welche Rolle werden wir gedrängt, wenn Kinder uns duzen? Was machen wir mit dem gegebenen „Du“, wenn der berufliche Kontakt zu Ende ist. Wie würden sich Praktikanten fühlen, wenn diese mit einem wertschätzenden „Sie“ angesprochen werden? Ist das Kritisieren leichter, wenn man sein Gegenüber duzt oder siezt? Kann ich überhaupt NEIN zum „Du“ sagen? Verliere ich meine Professionalität, wenn ich mein Gegenüber mit „Du“ anspreche? Bin ich wirklich unnahbar, wenn ich beim „Sie“ bleibe? Fragen über Fragen…

Leute, ich muss euch leider sagen, ich habe nicht die perfekte Antwort gefunden.

Aber ich meine, bietet man jemandem das Du an, ist es wichtig, es ihm auf keinen Fall aufzuzwingen. Damit würde man sein Gegenüber in eine Zwickmühle bringen, was leider sehr oft passiert. Besser, man sagt in der Aufforderung zum Du: 'Wenn Sie das nicht möchten, können wir auch gern beim Sie bleiben'. Damit hat der Andere die Wahl und kann das Angebot ablehnen, ohne jemanden zu verletzen. Anstatt einfach `Danke, ich will nicht du sagen`, klingt es höflicher, zuerst etwas Nettes zu sagen und dann zu erklären, warum man das Angebot nicht annimmt: 'Ich freue mich, dass Sie unsere Beziehung für so vertrauensvoll halten, aber außerhalb meines Privatlebens duze ich grundsätzlich nicht und ich möchte da keine Ausnahme machen'. Hier ist Mut auf beiden Seiten gefragt: der Mut, auch einmal „nein zum Du“ zu sagen und das Hinterfragen, ob mit dem „Du“ nicht Grenzen verwischt werden, dies trifft im Besonderen auf den Kontakt zu Klienten zu.

Aber ich merke, ich beginne schon wieder zu philosophieren. Ein berühmter alter Schriftsteller hat mal gesagt: „Es ist ein viel zu weites Feld.“ Dem kann ich nur zustimmen!!!

In dem Sinne, tschüss bis zum nächsten Mal und lasst euch von dem Weihnachtswahn nicht allzu sehr stressen. Aber eines ist klar: den Weihnachtsmann werde ich duzen, ob er will oder nicht!